Es ist der 2. Mirtul 1491 DR spät am Abend - jener ganz besondere Abend, bevor sich ein ganz besonderer Haufen trifft, um in Bürgerhain einen "Garten zu pflegen".
Der angehende Druide Almer Umerân kehrt gerade ins Haus der Druiden zurück. An der Straße vorne hat Rovena Nachtborke schon lange ihren Erste-Hilfe-Stand wieder zusammengebaut. An der Front des Hauses wurde die erste Etage schon vor 2 Jahren begrünt. Es war ein schlauer Schachzug seines Vaters Hamon, das alte Haus mit der Kraft der Mitglieder ihrer kleinen Gruppe zu ... "restaurieren". Diesen Frühling konnten sie endlich die Begrünung nutzen, um kleine Blüten wachsen zu lassen. Inmitten der oftmals eher farblosen Facaden der anderen Häuser in der Stadt, konnte das Haus vom urbanen Hain beizeiten in allen Farben des Frühlings erblühen. So kamen immer wieder Leute vorbei, die sich einfach an der Farbenpracht erfreuten, bevor sie anschließend mit einem Lächeln wieder den grauen und farblosen Straßen von Waterdeep folgten. Zusätzlich zu den Natur-Hungrigen kamen natürlich auch die Bedürftigen hierher, um an Rovenas Stand eine erste Hilfe bei ihren Problemen zu erhalten. Ob Wunden, langanhaltendes Fieber oder Fragen nach Pflanzen - die menschliche Druidin hatte in den meisten Fällen etwas zur Hand, oder wusste dank ihrer geschätzt 45 Jahre Lebenserfahrung Rat.
Als Almer die Tür zum Haus der Druiden aufschiebt, kommt ihm ein wohlige Wärme entgegen und auch der bekannte schwere Duft der Kräuter, die zum Trocknen hier und dort in Bündeln von der Decke hängen. Ein kurzer Blick zur Tür des Büros seines Vaters - wieder kommt kein Licht durch den Türspalt. Der alte Mann musste sich wohl wieder länger im Bürgerhain mit der Politik und Bürokratie von Waterdeep herumschlagen und konnte nicht pünktlich nach Hause kommen. Enttäuscht lässt Almer die Schultern hängen. Sonst spielt er eigentlich gerne mit dem prasselnden Feuer im Kamin herum, aber es ist einfach nicht das selbe, wenn der alte Herr nicht da ist, um ihn zu ermahnen, dass er das ganze Haus damit abfackeln kann. Als der angehende Druide sich der ausgetretenen Treppe zuwendet, neben der (hauptsächlich für die Stabilität des alten Hauses) aus dem Fußboden ein dicker Baum wachsen gelassen wurde, geht die Tür zum Garten an der Hinterseite des Raumes auf.
Voll freudiger Erwartungen wandert Almers Blick zur besagten Tür, aber er wird enttäuscht. Die Gestalt ist weder so klein, noch so breit wie der Zwerg Hamon - ganz zu schweigen von der offensichtlich fehlenden Glatze. Stattdessen wird Rovenas verschmutztes Gesicht von ihrem schulterlangen schwarzen Haar eingerahmt. Ihre Robe ist wie die von Almer aus einfachem Flachs und Leinen - in einem angenehmen und nicht aufdringlichen Grün gefärbt. Dann fällt einfach der Dreck der Straße daran nicht so auf, wenn sie tagsüber ihren Erste-Hilfe-Stand offen hat.
Als die Frau Almers Blick bemerkt, der wieder zum leeren Büro wandert, sagt sie aufmunternd "Kopf hoch, die Sonne geht jeden Tag aufs Neue auf, egal wie die Nacht war. Morgen ist unser Oberhaupt wieder da und ermahnt uns wie immer, mit voller Kraft in den neuen Tag zu starten.". Sie hängt die kleine druidische Schere wieder an die Tür, die sie eben im Garten gebraucht hat. Im Arm eingehakt trägt sie einen Korb mit weißen Pilzen, die sie sogleich präpariert, damit sie über Nacht etwas trocknen können. Almer sieht ihr einen Moment dabei zu und hofft kurz, dass die Laufarbeit für die Pilze nicht wieder an ihm hängen bleibt.
Dann antwortet er nach einem übertriebenen Gähnen "Wird wohl so sein, dessen wird der alte Mann ja nie müde", bevor er die Treppe hinauf steigt.
