Almer geht die ausgetretene Treppe weiter hoch. Wenn die Anspannung der Aufgaben tagsüber erstmal abfällt, kann man hier im Haus des urbanen Hains eigentlich ganz gut entspannen.

Während unten im Erdgeschoss noch Ordnung gehalten wird (falls Kunden hinein kommen), sieht es in der ersten Etage bereits völlig anders aus. Der Baum, der unten aus dem Fußboden wächst, ist hier oben mit Moos und verschieden farbigen Baumpilzen bewachsen. Wenn man sich durch den Gang in der erste Etage bewegen möchte, muss man immer wieder über Luftwurzeln und Ranken steigen - an Rennen ist hier nicht zu denken.

Wie jeden Tag vor dem Schlafen, nimmt sich Almer die Kannen mit Wasser und verteilt sie im Raum. Wenn er es erstmal geschafft haben wird, seine druidischen Kräfte zu entfalten, würde diese Arbeit hoffentlich entfallen und wieder auf alle Mitglieder der Gilde verteilt werden. Gedankenversunken leert er die Kannen nach und nach, bis er zum hinteren Raum mit der "Neuanschaffung" kommt.

Es ist jetzt 5 Tage her, dass sie nachts geliefert wurde. Also 3 Tage, dass er sich ihr unerlaubt genähert hatte und von der hinterhältigen Kreatur angefallen wurde. Die Verätzungen durch ihr Sekret sind noch immer leicht an seinem Arm zu sehen, wenn er die Ärmel seiner Robe hochzog. Man hätte dem jungen und wissbegierigen Menschen noch 100 Mal sagen können, warum der Import dieser Pflanze illegal war - er musste sich einfach selbst überzeugen und besonders gefährlich sah sie (vor dem Angriff) auch nicht aus. Ist ja nicht so, dass beim Namen Carnivora Giganteum irgendwelche Alarmglocken hätte läuten können... Auf alle Fälle hatte sich vor 3 Tagen der verführerisch süßliche Duft der lila Blätter in der geöffneten Knospe gegen den Verstand durchgesetzt. Seit jenem Vorfall setzt sich (vorerst) wieder Almers Verstand durch.

Wie auch immer. Wie schon bei der Ankunft der Pflanze besprochen, würde sich später einer der gestandenen Druiden (wie auch um diverse andere ... "Sonderlinge") um den "verbotenen" und mittlerweile abgeschlossenen Raum kümmern. Almer stellt also die Kannen wieder an ihren Platz und geht nochmal zum großen Fenster Richtung Innenhof. Der Anblick des Wildwuchses draußen, der wenig mit den Ziergärten der gehobeneren Schichten zu tun hat, beruhigt seine Seele immer wieder.

Den Grabstein der letzten wohlhabenden Besitzer des Anwesens in der Mitte haben die Druiden stehen lassen. Er ist eine gute Erinnerung, dass sie das Anwesen bereitgestellt bekommen haben - die Natur und die Götter sorgen sich um jene, die ihnen vertrauen. Man könnte meinen, der restliche Innenhof sei ungepflegt und seinem eigenen Schicksal überlassen, aber dem ist nicht so. Was die meisten Stadtbewohner als Unkraut bezeichneten, war hier wohlbedacht vermehrt worden. Einige Apotheken und ~Gift~ ... Medizinmischer zahlen ganz vernünftige Preise, damit sie ihre Salben und Tees daraus herstellen ... und dann noch teurer weiterverkaufen konnten.

Der urbane Hain ist allerdings wenig interessiert, großen Profit daraus zu schlagen. Viel mehr geht es darum, dass einige der wilden Kräuter effektiv sind, um Schädlinge von Gurken, Tomaten und dergleichen fern zu halten. Im Sommer konnte man dank der vielen verschiedenen Pflanzenarten einem regelrechten Summ- und Brummkonzert der Insekten zuhören, wenn man sich auf die Bank im den maroden Durchgang an der Seite setzte.

Zuletzt fällt Almers Blick auf den Katzenbaum. Den Namen hat er weg, weil er durch sein dichtes Geäst den kleinen Freunden das ganze Jahr über einen Rückzugsort bot. Das Futter natürlich nicht zu vergessen, das manchmal freiwillig kam - wenn ein Vogel denn dumm genug war, hier zu landen.

Mittlerweile ist es spät genug, dass Almer auch ohne es vorzuspielen gähnen kann, aber einen letzten Abstecher in den Garten kann er wagen. Hoffentlich ist ein ganz bestimmter befreundeter Kater mal wieder zu Besuch.

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Der Hinterhof in der alten Stadtvilla. Jetzt im Frühjahr geht das Wachstum gerade erst los.

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Die Carnivora Giganteum hat mittlerweile die Wand hinter sich fest in ihrem Griff ihren Ranken und verteilt ihre Ableger in nahe Töpfe.