Almer steht vor dem großen bunten Fenster in der ersten Etage. Nochmal bei Rovena vorbei will er nicht, also bleibt wieder nur der Weg durch das noch geschlossene Fenster. Da er es diesen Winter bei starkem Schneefall abdichten musste, wusste er, dass man eines der kleinen Teile aufklappen konnte - eine Art Katzenklappe wenn man so wollte. Vorsichtig klettert der angehende Druide die armdicken Efeuranken herunter und steht mitten im sogenannten "Beet". Die spitzen Dornen der Brombeeren durchdringen sein dickes Lederwams nicht und nach zwei großen Schritten steht er auch schon auf dem steinernen Weg, der ihn weiter hinter in den Garten leitet. Am Katzenbaum angekommen, schaut er die ausladenden Äste hinauf, kann aber nirgends weißes Fell entdecken - geschweige denn eine Reflektion von Licht in den hellblauen Katzenaugen seines Freundes Ty'Phoon. Heute ist einfach kein guter Tag.
Seufzend macht er einen Schritt weg vom Baum und schaut in den sternenklaren Himmel. Als sein Blick Richtung Ende des Gartens wandert, hebt sich der hohe Turm der Bastion vom ansonsten dunklen Himmel ab. Sie steht genau dort, wo sich die Mauern der Ostflur, des Bürgerhains und der Nordmark treffen. Der Anblick erinnert ihn wie so oft daran, wie schwer es ist, in so einer riesigen Stadt für Ordnung zu sorgen.
Da der Tag eh schon lange vorbei ist, wendet sich Almer ab vom Anblick des Turmes und tritt den Rückweg an. Kurz bevor er wieder ins Beet abbiegen will, hört er von drinnen Rovena intensiv diskutieren:
Klar kann ich eine Tasche mit unseren druidischen Scheren für Almer bereit machen, aber das ist eben nicht alles. Ich erinnere mich an seinen letzten Auftrag, als die sogenannten "Hilfkräfte" der verehrten Frau Vynn nicht den Unterschied zwischen Brombeer- und Rosen-Ranken kannten - am Ende haben wir zugezahlt.
Ihr Redefluss wird von einer beschwichtigenden brummenden Stimme unterbrochen, die Almer nur zu gut kennt. Sein Vater Hamon ist jemand der durchgreift wenn es sein muss, aber sonst seine schützende Hand über seine Geschäftspartner hält. Der alte Zwerg beginnt ein beruhigendes Gespräch mit der Druidin:
Wollen wir uns nicht mit der Vergangenheit plagen. Morgen wird alles anders. Schon alleine weil es hauptsächlich nicht um den Garten geht, sondern ... eine potentielle Quelle für diese völlig sinnfreien Passierscheine. Und irgendwie sagt mir meine Zergennase, dass Ty'Phoon mit von der Partie sein wird.
Ach dieser Kerl mit dem unverschämt ...
... seidigen und plüschigen Fell. Jaja, das haben wir alle mittlerweile oft genug gehört. Jetzt sag
Ty'Phoon ist ein guter Kerl, aber seine Göttin Umberlee ? Sie ist so wankelmütig und unermüdlich wie die stürmische See, über die sie herrscht.
Mag sein, aber sie gebietet auch über die ruhigen Gewässer. Die, aus denen man Trinkwasser holt oder seine dreckigen Sachen darin waschen kann. Sie hat mir die Zwillinge auf einem ruhigen Fluss zugetragen und ich werde es ihr Geschenk erwidern, indem ich mich um Ty'Phoon kümmere. Komme was wolle.
Aber sollten wir ihn dann nicht noch suchen gehen? Er könnte überall sein in Waterdeep.
Und genau deswegen werden wir ihn NICHT suchen - bringt ja eh nichts. Er wird schon da sein, wenn es morgen losgehen soll. Ebbe und Flut ändern auch nicht ihren Rhythmus, nur weil ein Kapitän es eilig hat und auslaufen will. Ich werde ihm jetzt noch etwas aus der Speisekammer in seinen Baum legen und wenn er morgen trotzdem nicht da ist ... ja dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
Ein herzliches Lachen ist von drinnen zu hören, als sich der Leiter des urbanen Hains auf den Weg in die Speisekammer macht. Almers Gedanken rasen, als er sich entschließt, wieder den Weg über das Beet und den Efeu zu nehmen. Ein Nicht-Laufbursche-Auftrag? Ein Weg, mit den elendigen Passierscheinen umzugehen? Ty'Phoon wiedersehen? Das wird ein Tag, auf den er sich schon jetzt freut.

Der hintere Teil des Innenhofes in der alten Stadtvilla.

Hamon Umerân - Anführer des urbanen Hains und Ziehvater von Almer.