Neblig war dieser Abend in Deggerford. Alrik Seidegarn goss sich gerade seinen besten Met in einen Kristallkelch, der geschmückt war mit Juwelen und goldenem Rand. Der heutige Handel hatte ihn zum reichsten Mitglied der Familie gemacht. Tief atmete er die kühle Brise, die durch die Balkontür des Turmzimmers die schweren Samtvorhänge tanzen ließ. Dann erschauderte er. Und es war nicht die Brise. Es war der Schatten, der sich dort aus der Dunkelheit schälte. Klein und breitschultrig, die Ebenholzarmbrust auf seinen Rumpf gerichtet, das Gesicht verborgen unter einer nachtfarbenen Kapuze. Er erstarrte. Zu gut wusste er, wer die Fremde war. Natürlich hatte es irgendwann soweit kommen müssen. Zu Viele hatte er über den Tisch gezogen. Zu viele Existenzen waren seiner Habgier zum Opfer gefallen. Zu Viele hatten gute Gründe, jemanden wie SIE auf ihn zu hetzen. Doch wie war sie hier hinaufgekommen? Waren all diese Märchen denn war?! Unmöglich! Er schaffte es nicht einmal mehr nach seinen Leibwächtern zu rufen. Der Bolzen durchschlug sein Herz. Sein Körper schwankte, sein Geist versuchte zu begreifen. Mechanisches Klicken. Der zweite traf seinen Schädel. Mit einem dumpfen Klong fiel der Kristallkelch zu Boden, gefolgt vom schweren Körper Seidegarns. Noch bevor der Met im weichen Teppich versickern konnte, war die schwarze Hornisse bereits in den weiten Nachthimmel entschwunden.