Ka’lawuii’Umberlee

Weit im Süden, fernab des Einflusses der grossen Metropolen und des Griffes der Jahreszeiten, lag ein kleines Dörfchen in einer kleinen Bucht tief im Dschungel. Die feuchte, stickige Luft bereitete den Einheimischen keinerlei Unbehagen. Sei es das dichte Fell oder etliche Generationen an Dickköpfigkeit, die zur Anpassung an die tropische Umgebung führten (die Stammesforscher sind sich uneins). Geschäftiges Treiben bestimmte den gewöhnlichen Anblick des Dorfes. Gepflegte Palmen mit heranreifenden Früchten oder auch die vielen kleinen Gemüsebeete benötigten ständige Pflege. Winzige Fischerboote durchquerten regelmäßig die kleine Bucht. Und auch die Kinder und Jugendlichen waren mit dem vielfältigen Unterricht in Handwerk, Geschichte, Kunst oder sportlichen Aktivitäten stark eingebunden.

Nicht jedoch zur Mittagszeit. Diese Tageszeit wurde von der Gemütlichkeit der Bewohner bestimmt. Das leise Klimpern eines Miniatur-Zupf-Instruments begleitete das Schaukeln einer Hängematte. Beruhigendes Schnurren ertönte aus zusammengerollten Fellknäuelen im Gras. Einige Tabaxi tranken Tee und spielten Brettspiele. Andere ließen sich bei den sanften fließenden Bewegungen des Tab’Chi von der Sonne durch wärmen.

Keinem fiel die herannahende, tief dunkle Gefahr am Horizont auf .. keinem bis auf ..

“Taifoon!! Ein Taifoon naht!”, schrie ein panischer, atemloser Fischer.

“Bringt euch in Sicherheit.”, rief eine andere Stimme.

“Versammelt die Kinder.”, bestimmte eine der Ältesten.

In wenigen Augenblicken verwandelten riesige Wellen und starker Wind das idyllische Dörfchen in eine Ansammlung von Treibgut. Auf Stelzen höher gebaute Behausungen schützen die Einwohner vor tropischen Stürmen. Dieser jedoch war anders, stärker und kam ohne die übliche Vorwarnung. Viele Häuser wurden überschwemmt. Einige hielten stand, Andere gaben der Kraft der Welle nach und stürzten in sich hinein.

Am Abend wich das Wasser zurück, spülte das alte Leben hinfort und hinterließ das zerstörte Dorf seinem neuen Schicksal.

Die Stärksten unter den Einwohnern übernahmen die Aufräumarbeiten, Dorfheiler versorgten die vielen Verletzten und die Ältesten leisteten Seelsorge.

Bereits zu Mitternacht vollführen die Überlebenden das traditionelle Ritual zur Verabschiedung der Verlorenen.

“Heilige Mutter der See!”, verkündete die Priesterin. “Sorge bitte gut für deine Kinder, deren Zeit gekommen war, die große Überfahrt zu beschreiten.”

Bunte Blumen, beleuchtet durch kleine Kerzen, wurden für jede verlorene Seele zur See gelassen. Traurige Musik begleitete die Zeremonie. Nach und nach stimmten die Tabaxis zu einem gemeinsamen Jauln ein. Gerade als das Heulen am lautesten wurde, durchschnitt ein bis dahin unbekanntes Geräusch die Vollmondnacht. Ein .. ein Weinen?!

Das Jauln hörte auf, die Dorfbewohner schauten sich hoffnungsvoll um. “Sucht nach Überlebenden.”, kommandierte ein grossgewachsener, muskulöser Tabaxi.

Das kleine zarte Stimmchen kam vom Rande der Bucht, aus der Richtung von einigen angespülten, zerbrochenen Balken unter verzwirbelten Seilen hervor.

“Es ist ein Kind!”, rief ein junges Tabaxi-Pärchen. T'kalira nahm das Kindchen in die Arme, tröstete es und gab ihm einen Finger zum Nuckeln. “Aber kein Tabaxi..”, stellte ihr Gatte Vokai fest.

“Und das sind Balken und die Überreste der Takelage eines Schiffes .. eines großen Schiffes.”, stellte der Muskelberg von Tabaxi fest. “KEINES von unseren kleinen Nusschalen.”

Als T'kalira das kleine graue Wesen mit weissen Augen im Arm hielt und ihrem Dorf vorstelle gluckste das kleine Wesen. Es griff mit den kleinen Händchen nach dem spielenden Pranke der jungen Tabaxi, es giggerte, verwandelte sich in ein kleines Katzenwesen, schaute mit den kugelrunden grünen Augen durch die Runde und versenkte seine neuen, kleinen Krallen in der großen Pranke seiner neuen Ziehmutter.

Ein Raunen ging durch die Menge.

“Ein Geschenk Umberlees”, tuschelten die Stimmen.

“Ka’lawuii’Umberlee”, verkündete die Dorfälteste ehrfürchtig.


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Vokai