Ein besonders besonderer Anlass unter den besonderen Anlässen
Pavel, 15.03.2025

Die Häuser der Katzenartigen waren auf Balken errichtete runde Bauten mit Strohdächern und oft ohne Wände. Tabaxis waren ein geselliges Völkchen, lebten in einer großen Kommune und feierten oft und gerne. Der Mangel an Privatsphäre förderte die Kommunikation in der unmittelbaren Nachbarschaft. Auch wenn jede Familie ein eigenes Häuschen bewohnte, so war es nicht unüblich bei seinem Nachbarn aufzuschlagen, Essen und Trinken zu teilen und auch gleich über Nacht oder gar für die ganze Woche zu bleiben.

Mit einer Ausnahme: das Haus der Ältesten. Dieses Bauwerk war größer, massiver gebaut, hatte Wände aus dicken Holzbalken und war für die meisten Bewohner nur bei Unwettern, Problemen, Hilfeleistung oder bei besonderen Anlässen zugänglich.

An diesem Tag war ein besonders besonderer Anlass unter den besonderen Anlässen. Der Hohepriester war außerplanmäßig zu Besuch und alle Einwohner ob gross oder klein, alt oder jung waren im Ältestenhaus versammelt.. alle bis auf Ty'phoon. Dieser hatte eine Anweisung, Zuhause zu warten, bis nach ihm verlangt wurde.

Die Ruhe vor dem Sturm drückte die Stimmung des jungen Tabaxis. Er führte Selbstgespräche, dachte nach und lief nervös auf und ab.

Stunden vergingen im leergefegten Dorf. Erst kurz vor Mitternacht löste sich die Vollversammlung auf. Alle Teilnehmer strömten heraus, tuschelten und schlenderten nach Hause. Die drei Ältesten des Dorfes Cal’antha, Gal’atea und K’aida verließen als letztes das große Gebäude. Tabaxis lebten in einem Stamm geführt von einem Matriarchat. Drei der Weisesten Frauen bildeten den Ältestenrat, welcher bei Meinungsverschiedenheiten zur Rate gezogen wurde und bei den wichtigsten Entscheidungen sogar eine Vollversammlung einberief.

Nicht nur, dass die Vollversammlung heute ohne Ty’phoon abgehalten wurde, so schien auch noch die Entscheidung von den Ältesten höchstpersönlich überbracht worden zu sein. Sie trugen ihre rituelle Kleidung. Der Kopfschmuck war eine wilde Zusammenstellung aus Blättern, Knochen und Federn. Am Oberkörper trugen sie pompöse Aufmachung aus Fellen und Lederstreifen .. sehr aufwendig verarbeitet und durch die extrem unpraktische Form ausschließlich bei offiziellen Anlässen getragen. Es galt als große Ehre, den Ältesten in dieser Tracht gegenüberzutreten.

“Ka’lawuii’Umberlee ..”, ergriff Cal’antha, die sanftmütigste unter den Dreien, das Wort. “.. vor nun sechzehn Sommern machte Umberlee uns ein Geschenk. Die Wellen spülten ein kleines schutzbedürftiges Wesen an unsere Ufer.”

“Wir nahmen dich auf, teilten unser Essen und Feuer mit dir, zogen dich groß, ..”, übernahm Gal’atea den Gesprächsfluss. Sie war die pragmatische der Ältesten. “ .. lehrten dir unsere Kultur und brachten dir unser Handwerk bei.”

“Und trotz der Gefahr, welche die Anwesenheit eines .. Wesens .. deiner Art, dem Dorf aussetzt...”, beendete K’aida, die strengste, spießigste und immer schlecht gelaunteste Seite des Ältesten-Trios, die Ansprache. “.. haben wir dich immer wie einen von Unseren behandelt. Heute versammelten sich alle von uns..”

K’aida war noch nie mit der Entscheidung einverstanden einen Changeling im Stamm aufzunehmen und ließ keine Gelegenheit aus Ty'phoon ihre Missgunst spüren zu lassen. Sie betonten ‘alle von uns’ in ihrer speziellen Art, um keinen Zweifel an der Zugehörigkeit Ty’phoon aufkommen zu lassen.

“.. und beratschlagten uns mit dem Hohenpriester Umberlees, um deinen Weg und die Zukunft des gesamten Stammes zu besprechen.”

“Ka’lawuii’Umberlee ..”, verkündeten alle Drei im Chor. “.. empfange die Entscheidung!”

Jede der drei Ältesten deutete mit ihrer rechten Hand in Richtung des Hauses der Ältesten.


Links

K'aida
Gal'atea
Cal'antha
Ty’Phoon
Tsch'Kara