Weit genug entfernt, um den Schein zu wahren (Pavel, 03.07.2025)
Die Prozession aus vier Tabaxis durchquerte das Dorf. Cal’antha führte die Gruppe entschlossen an, gefolgt von Ty’phoon. Rechts und links hinter Ihm schritten Gal’atea und K’aida entlang. Weit genug entfernt, um den Schein zu wahren, aber nah genug, um jeglichen Gedanken an Flucht im Keime zu ersticken.
Auf der Treppe vor dem großen Tor blieb Cal’antha stehen und drehte sich um. “Wenn ich dir einen Rat geben darf..”, sagte sie, fegte einige nicht vorhandene Fussel von Ty'phoons Schulter und richtete einen schiefen Holzknopf seines bunten Leinenhemdes. “.. sei ehrlich, er weis mehr als du glaubst."
Cal’antha atmete tief durch. “Wollen wir?”, stellte sie die rhetorische Frage, öffnete das Tor und schritt hindurch.
Das Innere des Gebäudes war gewaltig, zumindest wenn man die üblichen Behausungen gewohnt war. Ringsum standen Tonschalen mit brennenden Flammen und beleuchteten den Raum von allen Seiten. Den Boden der Halle zierten unzählige bunte Kissen, die in einem Kreis mit einigen Ringen angerichtet waren. Es war üblich, dass die Ältesten im inneren Ring saßen und sich dem Eingang zuwandten. Alle anderen Besucher verteilten sich gleichmäßig drum herum. Wollte jemand sein Anliegen vortragen, so tat die Person das aus der Mitte heraus. Die drei Ältesten verstanden ihre Rolle mehr als Vermittler statt als Entscheidungsträger. Heute trat Ty’phoon in die Mitte des leeren Raums. Einzig der Hohepriester war sonst anwesend. Die drei Ältesten nahmen Platz. Stille breitete sich im Raum aus. Keiner der vier Tabaxis wagte es, die Stille zu durchbrechen.
“Ty’phoon ..”, ergriff der Hohepriester einige unangenehme Momente später das Wort. Die Stimme des Loxodon war tief, vermittelte Ruhe und Gelassenheit.
"Hohepriester", Ty’phoon neigte seinen Kopf ehrenvoll.
Der tiefe Atemzug des Elefanten wurde von Klimpern der vielen Ketten und Perlen begleitet. Die langen, weiten und luftigen Gewänder raschelten, als der Hohepriester mit einer Geste dem jungen Tabaxi angedeutete, sich hinzusetzen.
“Cal’antha, Gal’atea, K’aida.”, die großen Ohren des Loxodons schwankten, als er jeden der Namen würdevoll aussprach und jeder der Ältesten höflich zunickte. “Würdet ihr mir gestatten, mich mit dem jungen Mann unter vier Augen zu unterhalten?”
“Unerhört!!”, zeigte das Gesicht von K’aida. “Meint er das ernst?”, sprach der Blick von Gal’atea wortlos aus. “Hohepriester ..”, fing Cal’antha an, als sie die Fassung wieder erlangt hatte.
“Meine Damen..”, unterbrach der Hohepriester den Sprechversuch der Ältesten. “ .. versteht die Anfrage bitte nicht als Affront. Ich habe nicht die Absicht, eure Autorität zu untergraben.” Er machte eine beschwichtigende Geste. “Bevor wir uns - alle zusammen - mit seiner Angelegenheit auseinandersetzen, würde ich gerne mit Ty'phoon eine mich persönlich betreffende und zutiefst vertrauliche Sache besprechen.”
Die drei Tabaxi-Frauen tauschten schnelle Blicke aus und schienen einen non-verbale Konversation zu führen.
“Es geht hierbei nicht um sein Wohlergehen .. sondern ausschließlich um das meine.”, verstärkte der Hohepriester seine Bitte.
Cal’antha und Gal’atea schauten dem Gesandten Umberlees in die Augen und nickten zustimmend. K’aida ließ einige Sekunden verstreichen, bevor sie mit gerümpfter Nase dem Beispiel folgte und alle drei das Haus verließen.
“Soo, da wir jetzt unter uns sind ..”, verkündete der Hohepriester mit einer viel höheren, melodischen Stimme.
“Ich .. ich dachte .. ich wäre der Einzige ..”, keuchte Ty'phoon fassungslos.

Hohepriester Umberlees
K'aida
Gal'atea
Cal'antha
Ty’Phoon
Tsch'Kara