Denn genau darauf kommt es an (Pavel, 26.07.2025)
Am Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen die von der Dorffeier erschöpften, schlafenden Tabaxis erwärmten und die Flut die Wassermassen in die kleine Bucht schob, saßen zwei Dorfbewohner auf umfunktionierten Kanus etwas außerhalb der Brandung. Sie beobachteten die wunderschönen Wellen und genossen die Ruhe des Morgens.
“Dir ist klar, dass unsere Bucht nicht für Wellen dieser Art bekannt ist. So nah sollten sie kleiner, wilder und völlig ungeeignet zum Wellenrutschen sein.”, stellte Kh’zini fest. “Du trägst wahrlich den Segen unserer Heiligen Mutter .. Do’Vash’Umberlee.”
"Irgendeinen Vorteil muss es ja haben.”, seufzte Ty’phoon.
“Sieht für mich nach einem Zeichen aus .. einem Geschenk Umberlees von der Bucht angemessen Abschied nehmen zu können.”, sagte Kh’zini ehrfürchtig. “Wäre ein Frevel es auszuschlagen!"
Die junge Tabaxi brachte Ty'phoons Kanu zum Kentern, padelte auf ihrem los und schnappte sich die nächste Welle. “Meine!!”, jubelten sie lachend.
Die Morgenstunden verflogen und zwei erschöpfte, aber glückliche Tabaxis trieben in der Bucht umher.
“Weißt du, du hast hier etwas großes ins Rollen gebracht. Den meisten ist es noch unklar, aber Wellenrutschen wird irgendwann in ganz Faerun bekannt sein.”, träumte die junge Tabaxi.
“Faerun ist mir egal, ich möchte doch nur Spass haben .. hier .. mit dir!”, schmollte Ty'phoon. “Seit ich ein Baby war, hast du auf mich aufgepasst. Seit ich denken kann, warst du für mich da.. Ich will nicht weg! Das ist soo unfair!”
“Heyhey.. ich werde dich auch vermissen, aber lass die schlechten Gedanken los .. Akzeptiere dein Schicksal und behalte das hier im Herzen.”, sie lag auf ihrem Kanu, ließ die Füße in Wasser baumeln und machte eine allumfassende Geste.
“Trage diesen Vibe in die Welt hinaus, denn genau darauf kommt es an!”
“Wie soll ich da draußen bloß ganz alleine ohne deine Weisheiten zurechtkommen?", fragte Ty'phoon.
“Ganz einfach..”, erklärte Kh’zini. “Du stellst dir diese einfache Frage: ‘Was würde Kh’zini jetzt tun?’”
“Was nettes .. was albernes .. oder ganz verrückt-abgefahrenes“, antwortete Ty'phoon.
“Oder?”, fragte sie nach.
“Und ..”, korrigierte sich der Tabaxi.
“Genau! Und du wirst sehen, du wirst nicht lang alleine bleiben!”, prophezeite Kh’zini und besiegelte den Plan mit einem High-five.
“Soo genug getrödelt. Lass uns zurückkehren. Die Verabschiedungszeremonie sollte bald anfangen.”, kommandierte die Tabaxi.
Die Bewohner Tsch’karas versammelten sich beim Dorfausgang und bildeten einen Gang. Von heiterer Musik begleitet, schritt Ty'phoon mit einem Kloß im Hals auf die Tabaxi-Allee zu.
Den Anfang bildeten, wenig überraschend, die Ältesten.
“Es ist Tradition unseres Volkes, dem Reisenden beim Abschied etwas vom Herzen mitzugeben.", leitete Cal’antha die Zeremonie ein.
“Wir, die Matriarchinnen, geben dir etwas mit, was wir seit deinem Auftauchen hier aufbewahrt hatten.”, verkündete Gal’atea.
“Einen Namen. Den Namen des Schiffes, welches dich in jener Nacht zu uns brachte und an unserem Riff zerschellte.”, sagte K'aida.
“The Dreadful Whale”, sprachen die Drei ihm leise ins Ohr.
Der Rest der Zeremonie verlief weniger dramatisch.
Kh’zini schenkte Ty'phoon eines ihrer Lieblings-Schnitzmesser.
T'kalira und Vokai, gaben ihrem Kind eine Hängematte, die man praktischerweise zu einem Rucksack umdrehen konnte.
Jeder gab was er konnte oder dachte, es wäre auf einer Reise ohne Wiederkehr besonders wichtig: Drei Holzknöpfe. Eine Muschel. Eine Handvoll bunter Murmeln. Ein quadratisches Stück Stoff. Ein Paar Essstäbchen. Samen eines Tuka-Tuka-Baums. Eine luftig-weite Caprihose. Einen albernen Hut. Eine kaputte Babyrassel. Einen Angelhaken.
Hände wurden geschüttelt, Umarmungen verteilt und die eine oder andere Träne vergossen.
Als Ty'phoon sich durch die Menge durchgekämpft und sich von jedem Bewohner persönlich verabschiedet hatte, erwartete ihn am Ausgang der Hohepriester.
“Meine Pflichten führen mich nach Norden. Ich werde dich noch ein Stück begleiten.”, berichtete der Loxodon.