Bitte etwas leiser, hier ruht sich jemand aus (Pavel, 25.09.2025)

Von seinem Gewissen getrieben, wanderte Ty'phoon pflichtbewusst gen Norden. Die Wanderung entlang der Küste brachte den Tabaxi an die wunderschönsten Orte mit malerischen Buchten. Im Gepäck steht immer dabei: seine neue Begleiterin Doloris. Eine inzwischen innige Freundschaft verband den Wellenrutscher mit seinem Sportgerät.

"Uhhh, schau dir mal diese Brandung an!”, redete der Tabaxi auf sein Brett ein. Er schmiss sein restliches Hab und Gut unter eine Palme und rannte ins Wasser.

Ein leichtes, stabiles Brett erwies sich für das Wellenrutschen als bahnbrechend: Es war leichter zu tragen, weniger kippelig und besser lenkbar als ein zweckentfremdetes Kanu. Darüber hinaus bot das Im-Liegen-Paddeln mit den Armen neben der bequemen Art der Fortbewegung auch noch den entscheidenden Vorteil, sich keine Gedanken über das Verbummeln des Paddel machen zu müssen .. von den rückenschonenden Rumgammeln in der Sonne mal ganz zu schweigen.

“Für eine ist noch Zeit”, erklärte er Doloris. “Nur noch eine Welle”

“Ich kann jetzt unmöglich weitergehen", schob der Tabaxi als Ausreden vor und schaute schuldbewusst zu dem Affen, der sich gerade über seinen Proviant her machte.

“Nur noch die nächste Bucht” Eine Bucht, noch eine Bucht, nächste Bucht. Tage verflogen, Wochen vergingen. Je länger der Pilger unterwegs war, desto weiter geriet sein eigentliches Ziel aus dem Fokus. Die Bestimmung im Norden verdrängte Ty’phoon erfolgreich in den hinteren Bereich seines Bewusstseins.

Die Sonne war gerade hinter dem Horizont im Meer verschwunden, als Ty'phoon auf einen Stand zusteuerte. Diese Bucht .. diese Bucht war anders. Ein kleines Feuer brannte am Strand und beleuchtete ein provisorisches Lager.

“Hey Leute!!”, rief Ty'phoon und lief winkend dem Licht entgegen. Trotz des Feuers und des am Spieß beratenden Fleisches war im Lager keiner zu sehen.

“Ist hier jemand?”, fragte er.

Ein Schnarchen ertönte aus der Nähe des Feuers. Angelehnt an ein Boot im Schatten hielt ein Mann ein Nickerchen. Entschlossen den Mann weiter schlafen zu lassen, setzte sich Ty'phoon ans Feuer. Er kümmerte sich um das Wenden des angebrannten Fleischspießes und vertrieb sich mit Zeichnungen im Sand die Zeit.

Als die letzten Sonnenstrahlen verschwunden waren und der Mond einen silbernen Streifen auf dem Meer schimmern ließ, ertönten von der Landseite des Standes einige Stimmen. Sie wurden lauter und immer deutlicher, bis sie schließlich am Lager angekommen waren. Ty'phoon stand auf, winkte den Neuankömmlingen zu und deutete freundlich darauf hin ruhig zu sein.

“Bitte etwas leiser, hier ruht sich jemand aus.”, flüsterte der Tabaxi. “Ich bin Ty'phoon, freut mich ..”

“Egbert, du fauler Nichtsnutz!”, schrie eine Stimme.

“Schnappt euch den Eindringling.” rief ein muskulöser Mann.

Ty'phoon, gänzlich überrumpelt, machte eine beschwichtigende Geste. Er probierte etwas zu sagen, doch der Muskelberg stürzte sich auf ihn drauf und raubte ihm den Atem.

“Fesselt ihn!”, kommandierte jemand.

“Na sieh Mal einer an, was uns das Meer hier angeschwemmt hat .. einen Dieb!”, höhnte ein fies blickender Seemann.

“Hnn Mischverschtäändnisch..”, probierte der geknebelte Tabaxi sich zu rechtfertigen und kassierte prompt einen Tritt in den Bauch.

“Schnauze!”, entgegnete ihm sein Peiniger.

“Neeenn, nscht dasch Brett verbrennen..”, jammerte der Wellenrutscher, als jemand Feuerholz nachlegte.

“Doloischh”, schluchzte der Tabaxi traurig vor sich hin.

“Was machen wir jetzt mit dem hier?”

“Bring ihn Unterdeck. Soll der Kapitän entscheiden, was mit ihm zu tun ist.”

Einige Tritte, Schläge und Beschimpfungen später hievten die Seemänner den gefesselten Tabaxi in ein Boot, ruderten aufs Meer hinaus und verluden das Paket auf ein Schiff.

Tage vergingen an Bord des Segelschiffes. Wie viele, konnte Ty'phoon nicht genau sagen. Angekettet im Unterdeck war er größtenteils sich selbst überlassen. Die Wellen und der Seegang hatten auf den Tabaxi eine beruhigende Wirkung und spendeten in der bedrückenden Einsamkeit etwas Trost. Als das Schiff erneut vor Anker ging, breitete sich unter den Piraten ein geschäftiges Treiben aus. Matrosen schleppten Kisten und Säcke raus und rein.

Eine Horde Goblins wurde gefangen genommen und in den Schiffsbauch hineingebracht. Viele widersetzen sich vehement, ließen dabei ihr Leben und hinterließen Pfützen voller Blut. Die Matrosen machten sich nicht die Mühe jeden einzelnen in Ketten zu legen. Sie pferchten alle zusammen, ob tot oder lebendig, in diverse Zellen und Käfige ein.

Angesichts der Grausamkeit schluchzte Ty'phoon vor sich hin und rupfte an seinen Ketten .. vergebens. Stunden später wich die Hektik und der Tumult. Stille kehrte ein. Die Matrosen beendeten ihre abendlichen Zechgelage und Feierlichkeiten. Völlig erschöpft von seinen Befreiungsversuchen, sackte Ty'phoon in sich zusammen.